Autofahrten mit Kindern können lang werden.
Schrecklich lang.
Das weiß ich spätestens seit dem letzten Brandenburg-Trip mit einer Freundin, deren sechsjährigem Zwillingspärchen, ihrer einjährigen Tochter – und meinen beiden Jungs noch dazu. Alle gemeinsam – zu siebt – in einem alten Bus. Acht, neun, zehn Stunden lang. 

Und es gibt kein Entkommen!

Als ob das nicht für sich genommen schon genug Abenteuer bedeutet hätte, blieben wir mit dem sechzehn Jahre alten T4 auch noch liegen. An einem kalten, dunklen Novemberabend. Mitten am hinterletzten Winkel der Welt. Sie. Und ich. Und eins, zwei, drei, vier, fünf kleine Kinder.

Während der Fahrt – und insbesondere auch während des Wartens auf den Abschleppdienst – war ich deswegen mehr als dankbar für ein kleines Sammelsurium an Beschäftigungsideen, die ich hiermit gerne an Euch weiterreiche:

1. Luftschlossraten

Das Problem an Klassikern, wie „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ ist, dass der Innenraum eines Fahrzeugs meist ein ziemlich überschaubarer ist. (Und selbst in einem Siebensitzer findet man irgendwann die blinkende Motorkontrollleuchte …)

Versucht deswegen stattdessen die gepimpte Variante davon: „Ich denk’ an was, was Du nicht denkst“. Und das geht so: Ein Spieler denkt an ein altersgerechtes Objekt (Apfel, Wolke, Mickymaus, die heimische Couch…) und die anderen müssen versuchen, es durch Fragen – die aber nur mit Ja und Nein beantwortet werden dürfen – zu erraten. 

Perfekt für Menschen, die auch nach sechs gemeinsamen Stunden auf engstem Raum noch ertragen können, die lieben Kleinen reden zu hören.

2. Ampel-Roulette

Wer sich lieber mit kurzen Ausrufen wie „Oh!“ und „Da!“ begnügen und den Lautstärkepegel im Innenraum eher herunter- als hochschrauben mag, für den wäre das Ampel-Roulette vielleicht etwas: Zwei Spieler bekommen je die Ampelfarbe Rot und Grün zugewiesen. 

Muss Euer Wagen an einer roten Ampel anhalten, bekommt folglich Spieler Rot einen Punkt. Fahrt Ihr aber unter einer grünen Ampel hindurch, bedeutet das einen Punkt für Spieler Grün. Merkt Ihr? Für dieses Spiel muss man ganz viel beobachten und gaaanz wenig quatschen!

Befindet Ihr Euch auf der Autobahn und es gibt keine Ampeln (oder Ihr fahrt gerade durch die niedersächsische Kleinstadt Bohmte bei Osnabrück), haltet Ausschau nach „Eurer“ Wagenfarbe, „Eurem“ Kran oder „Eurem“ Cabrio. Am Ende werden alle Punkte addiert und bei der nächsten Pipipause freut sich der Gewinner über ein Softeis von der Tanke.

3. Pfiffige Pfeifenputzer-Party

Zugegeben: Vera Int-Veen wäre ob solch einer Alliteration sicher stolz auf mich. Tatsächlich haben sich ein paar bunte Pfeifenputzer aber schon oft als die Geheimwaffe gegen Langeweile herausgestellt: Sie kosten nur ’n Appel und ’n Ei, nehmen keinerlei Platz im Fond weg und versauen im Gegensatz zu Knete auch nicht den Textilbezug des Kindersitzes. (Been there, done that.) 

Außerdem sind sie äußerst scheibenfreundlich, riechen nicht, quatschen nicht und sehen auch noch süß aus. Sie lassen sich geduldig in alle möglichen Formen knicken und so zu den schönsten Kunstwerken biegen. Pfeifenreiniger sind ein bisschen wie Michelle Obama: jeder liebt sie.

4. Meilenstein-Staffel

Ich weiß nicht, welche Strecke Ihr Euch mit fünf Kleinkindern an Bord zutraut oder zutrauen würdet. Aber wenn Ihr – wie wir – mal in die Verlegenheit von über 600 Kilometern kommen solltet, packt vorher unbedingt kleine Überraschungen ein, die Ihr alle 50 Kilometer (das sind Eure Meilensteine) nach hinten durchreichen könnt: einen Kaugummi, einen kleinen Gummi-Dinosaurier, einen Lolli, ein paar Wackelaugen, gestrickte Socken, eine Selleriestange, einen Informationsflyer über das Wachstum von Gras in der schottischen Hochgebirgszone… War nur’n Witz. Wir sind schon da.

5. Fahrscheinkontrolle

Wer sich weder für Broschüren noch für Zuckerhaltiges erwärmen kann, der sollte neben den obligatorischen selbst gebackenen Dinkelkeksen auch immer ein paar aus Tonpapier ausgeschnittene Fahrkarten parat haben. Das Prinzip ist das gleiche wie unter Punkt 4: Alle 50 Kilometer wird eine bunte Karte nach hinten durchgereicht. Zusammen können sie später gegen eine kleine Belohnung eingetauscht werden, denn wenn alle aufgebraucht sind, haben Sie ihr Ziel hoffentlich erreicht.

6. Fleckenfreie Gestaltungsolympiade

Auch dem konsolenfreudigsten Grundschüler vergeht irgendwann die Lust auf Daumendaddelei. Eine großartige Alternative ist da eine Box aus Blech und ein Haufen Magnete dazu. Solche Boxen kann man sich sicherlich ganz einfach selbst basteln, aber ich persönlich schwöre auf diese hier für größere beziehungsweise diese hier für kleinere Kinder.

Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass Kinder kreativer werden, je weniger Mittel man ihnen zur Verfügung stellt. Also lasst die Konsole getrost daheim, die Blechschachtel und ein starkes Nervenkostüm werden es schon richten.

7. Gucklochkunst mit Windows 12

Was zu Hause funktioniert, das funktioniert auch auf Reisen. Gnadenlos unterschätzt wird hier das Prinzip von wieder ablösbaren Fensterbildern. Besonders kleinere Kinder beschäftigen sich mitunter bis zu einer halben Stunde mit dem Arrangieren eben solcher an den hinteren Autoscheiben. (Gibt es hier und auch hier.)

8. Fleckenfreie Kritzelkunst

Wer dem Gestaltungsdrang und der Malwut seines Kindes auch während der Reise nicht im Weg stehen will – vielleicht gar aus Angst um sein Nappaleder – der sollte an Kratzbilder, Maltafeln oder Aquadoodle denken. So einfach, so gut!
Also habt so etwas in der Tasche und lasst Euch zum passenden Zeitpunkt dafür feiern.

9. Hörspiel-Heini

Hörspiele sind die beste Erfindung der Welt und ein Segen für Klein und Groß. 
 
Weil ich alle „Bibi und Tina“, „Was Ist Was: Dinosaurier“ und „Am Samstag kommt das Sams zurück“- Folgen aber inzwischen auswendig kann, rate ich Euch neben diesen auch dringend zu einem Paar Kopfhörern – zum Beispiel angesteckt an eine Toniebox.
 
Inzwischen gibt es übrigens auch Kindersitze mit integrierten Lautsprechern und MP3-Player-Anschluss (findet ihr hier). So kommt Ihr vielleicht sogar mal in den Genuss, mehr als 5 Sätze am Stück mit Eurem Fondkollegen zu sprechen, ohne dabei ständig unterbrochen zu werden. Volle Fahrt voraus!

10. Pausen-Sausen

In Zeiten von Tablets und Smartphones ist es eigentlich ein Leichtes, Kinder durch stummen Medienkonsum über Stunden hinweg still zu halten. Nur geht dadurch irgendwie ja auch das gesamte Reiseerlebnis flöten.

Weil der Lebensabschnitt, in dem Ihr in unter viereinhalb Stunden von München nach Frankfurt gerast seid, mit Kindern an Bord sowieso ein Ende hat, macht aus der Not eine Tugend und legt regelmäßig Pausen ein. 
Am besten dort, wo es besonders schön ist. Lasst die Kinder rennen, rutschen oder einen Handstand üben und holt das iPad wirklich nur in der größten Not aus dem Kofferraum.
Ich meine: auch die Reise gehört irgendwie zu einer Reise dazu, wisst Ihr? 

Sammelt Erinnerungen, solange der Nachwuchs überhaupt noch mit Euch mitfährt. Ehrlich jetzt. 
Der Weg ist das Ziel.